Doris Grondinger & Erich Mühlparzer, Schlatt
(Wie ein) Heller Stern in finsterer Nacht
Gerade jetzt im Herbst/Winter, wo es in der Früh noch länger dunkel oder neblig ist, ist es besonders wichtig, dass die Kinder einen zusätzlichen Schutzengel auf ihrem Weg in die Schule haben. Jedes Jahr wieder werden Freiwillige gesucht, die sich morgens an den Zebrastreifen vor der Volksschule Schwanenstadt stellen, und für mehr Sichtbarkeit der schwächsten Verkehrsteilnehmer, der Kinder sorgen.
Da es sich um eine ehrenamtliche Aufgabe handelt, ist der Andrang überschaubar, dabei wäre es für den/die einzelnen wesentlich weniger Aufwand, gäbe es mehr von diesen gelben Engeln. Denn je mehr verschiedene SchülerlotsInnen es gibt, desto seltener kommt jede/r einzelne an die Reihe. Aktuell sind es ein Großvater, eine Großmutter und drei Mütter, die regelmäßig eine Woche lang freiwillig etwas früher aufstehen, als sie eigentlich müssten.
Wir haben den SchülerlotsInnen ein paar Fragen gestellt, und präsentieren euch die zusammengefassten Antworten:
Was waren deine Beweggründe, Schülerlotse/in zu werden?
Claudia: Ich begann mit dem Schülterlotsendienst, als mein Kind in die Schule kam und nun den Schulweg häufig zu Fuß meistert. Ich sehe meinen Einsatz als Aufgabe für die Gesellschaft, und der Schutzauftrag für Kinder geht uns alle etwas an.
Doris: Erstens ist es mir wichtig, für mehr Sicherheit sorgen, nicht nur für mein Kind. Zweitens wurden wir als Zugezogene recht freundlich in der Gemeinde aufgenommen und ich möchte der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Und drittens macht es mir persönlich Freude, mit den Passanten einen fröhlichen Gruß auszutauschen, so starte ich an diesen Tagen positiver in den Tag.
Eva: Unser Sohn kam in die erste Klasse, und die Sicherheit der Kinder steht für uns an erster Stelle.
Auch die dazugehörige Großmutter namens Maria trat aus diesem Grund den Schülerlotsen bei.
Franz, der einzige Mann und längstdienende Schülerlotse im derzeitigen Team, übernahm die Aufgabe ebenfalls, als sein Enkel in die 1. Klasse kam. Und das ist nun schon über 11 Jahre her.
Wie wird man zum/r Schülerlotsen/in?
Zu Schulbeginn gibt es jedes Jahr einen schriftlichen Aufruf, sich bei Interesse für den Schülterlotsendienst in der Direktion zu melden. Für alle, die sich innerhalb der ersten Wochen melden, wird eine gemeinsame ca. 1-stündige Einschulung durch die Polizei organisiert und abgehalten. Hat man die Unterweisung absolviert, kann's auch schon losgehen: Man trägt sich jeweils für eine ganze Woche im ausgehängten Schülerlotsen-Kalender beim Schuleingang ein. Sollte man an gewissen Wochentagen gar keine Möglichkeit haben, den Dienst durchzuführen, hat sich mittlerweile etabliert, dass man sich mit einer/m zweiten zusammentut, und sich die Tage aufteilt.
Wie läuft ein Schülerlotsendienst normalerweise ab?
Am Morgen kleidet man sich dem Wetter entsprechend und besonders sichtbar (es gibt verschiedene Sicherheitsjacken zum Ausleihen, oder man zieht eine eigene Sicherheitsweste drüber), holt sich um ca. 7 Uhr den beleuchteten Anhaltestab (auch scherzhaft Zauberstab oder Lichtschwert genannt), und begibt sich auf Position beim Zebrastreifen.
Ganz wichtig an dieser Stelle: Ein Schülerlotse ist nicht befugt, den Verkehr zu regeln! Die Aufgabe eines Schülerlotsen (oder Verkehrshelfers, wie sie auch genannt werden) ist es, das sichere Überqueren einer Straße zu ermöglichen, mehr nicht.
Ist dir ein Erlebnis besonders in Erinnerung geblieben?
Franz erinnert sich an eine Situation, als er sich nur durch einen Sprung zur Seite vor einem Unfall retten konnte.
Maria berichtet von einem Autofahrer, der zuerst anhielt und dann doch weiterfuhr, kurz bevor das Kind die Straße queren wollte.
Claudia wurde einmal auf dem Gehsteig stehend beinahe von einer einparkenden Mutter überfahren, die offensichtlich unter Stress stand. Ein anderes Mal bescherte ihr ein Lastwagen eine ordentliche Gänsehaut, als er nur wenige cm hinter ihrem Rücken anhielt.
Einmal wurden gleich drei Fahrzeuge hintereinander beobachtet, die an einem haltenden Autobus vorbeifuhren und keine Sicht auf etwaige Fußgänger hatten.
Doris erzählt: „Ein Mann war vermutlich etwas zu früh dran, denn er parkte den Wagen mit laufendem Motor unmittelbar vor dem Zebrastreifen und hantierte mit seinem Handy, ohne dass jemand aus dem Fahrzeug stieg. Nicht nur, dass er mich mit den Abgasen einnebelte, behinderte er auch noch meine Sicht auf die ankommenden Fahrzeuge. Nach einigen Minuten, die wie eine Ewigkeit schienen, stieg endlich ein Kind aus dem Auto und der Fahrer preschte mit einem Hurra davon, ohne das gebrachte Kind über die Straße gehen zu lassen.“
Hast du Wünsche an die anderen Verkehrsteilnehmer?
- Ich wünsche mir von allen Verkehrsteilnehmern mehr Aufmerksamkeit und Rücksicht aufeinander, vor allem auf die Kinder.
- Die Eltern müssen sich dessen bewusst sein, dass sie ständig ein Vorbild sind. Oft muss man auf die Erwachsenen mehr aufpassen als auf die Kinder.
- Man sollte genug Zeit einplanen, damit man Stress und gefährliche Situationen vermeidet.
- Auch wenn es ein paar Schritte mehr bedeutet, benützt bitte den angrenzenden Parkplatz und beweist Geduld.
- Wer es morgens eilig hat und nicht zur Volksschule muss, könnte diesen Bereich zwischen 7 und 8 Uhr meiden und eine alternative Strecke wählen.
Ob Regen oder Sonnenschein – wir SchülerlotsInnen stehen frühmorgens bereit, um den Kindern einen sicheren Schulweg zu ermöglichen. Unterstützt uns bitte dabei!

An einem Faschingsdienstag bewiesen Eva und Doris Humor: Sie versahen ihren Lotsendienst mit Lichtschwertern als Prinzessin Leia und Darth Vader aus Star Wars. Die Fußgänger und Autofahrer waren an diesem Tag besonders aufmerksam.